Nur für diesen Moment – A.D. Wilk [REZENSION]

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[Rezensionsexemplar & Werbung wegen Verlinkung]

Von A.D. Wilks zweitem Roman habe ich sehr viel erwartet. Ihr Debütroman „Wenn du wieder gehst“ hat mich ja letztes Jahr ziemlich begeistert und ich habe mich total gefreut, dass ich das neue Buch „Nur für diesen Moment“ vorab lesen durfte (Danke, liebe Andrea!). Es erscheint am 28. Februar 2019 und ich darf euch an dieser Stelle schon einmal ein wenig erzählen, wie es mir so gefallen hat.

Ich habe viele Eindrücke aus der Lektüre mitgenommen und um mir – und euch natürlich auch – den Einstieg etwas zu erleichtern, hier der Klappentext des Buches:

„Wirst du mir irgendwann verzeihen, Rie?“

„Das habe ich schon getan.“

„Und wirst du mir jemals wieder vertrauen?“

„Ich weiß es nicht.“

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Marie befindet sich auf einem Transatlantikflug in die Karibik, um eine Freundin zu besuchen. Neben ihr sitzt Vincent. Er überredet ihren Sitznachbarn, die Plätze zu tauschen, erzählt von seinen Träumen und hält sie im Arm, als die Lichter erlöschen und sich das Flugzeug mit hoher Geschwindigkeit dem Meer nähert. Seine Nähe fühlt sich vertraut an. Sein Lächeln vertreibt ihre Angst. Dennoch hat sie das Gefühl, dass er etwas vor ihr verbirgt. Und warum reagiert er so feindselig auf Mika, der ihnen doch nur helfen will?

Das Spannende am Geschehen ist, dass man eigentlich weiß (oder zumindest hofft, zu wissen), wie es ausgeht, dass man sich aber trotzdem als Leser immer wieder die Frage stellt, wie die Charaktere es bis zu dem Punkt schaffen wollen, an dem alles wieder gut wird. Sprachlich versteht Wilk zu überzeugen. Sie hat das beneidenswerte Talent, große Gefühle in kleine Worte zu packen und sie so zugänglich und nachvollziehbar für den Leser zu gestalten. Ob Liebe, Hass, Enttäuschung, Angst oder Trauer, alles konnte ich gut nachfühlen und ich hatte keinerlei Schwierigkeiten damit, mich in die unterschiedlichen Situationen hineinzuversetzen. Von den Emotionen einmal abgesehen, gelingt es der Autorin auch gut, diverse Metaphern zu erschaffen, die sie gezielt immer wieder im Buch einsetzt um ausgewählte Momente zu untermalen und verständlicher zu vermitteln. Die Metapher wächst mit dem Geschehen, was verhindert, dass die Metaphorik beim Lesen zu penetrant und störend wirkt. So behält sie ihren lediglich erklärenden und untermalenden Zweck. 

Die Feinfühligkeit und das gute Gespür Wilks für Emotionen führen dazu, dass ihre Charaktere gut und schlüssig konstruiert sind. Zwar stimmt man als Leser nicht unbedingt immer den diversen Entscheidungen oder Überlegungen der Charaktere zu, aber für das Konstrukt der einzelnen Personen ist der Gedankengang stets klar nachvollziehbar. Besonders die Tatsache, dass Marie ein solcher Kopfmensch ist, hat mich an manchen Stellen irritiert. Trotzdem, wie bereits erwähnt, ist sie ein in sich geschlossener und sinniger Charakter, der konsequente Entscheidungen trifft, welche sich auch immer mit ihren Erfahrungen, ihren Erinnerungen, ihren Überzeugungen und Ängsten begründen lassen. Es kommt bei der Lektüre kein Gefühl von Willkür auf, was für mich immer ein Indiz dafür ist, wie intensiv sich ein Autor mit seinem Buchpersonal auseinander gesetzt hat. In A.D. Wilks Fall bleibt da nur zu sagen: sehr intensiv. 

Nach einem lauten Knall am Anfang des Buches wird es schnell etwas ruhiger, fast schon idyllisch und – obwohl der Kontrast zu Anfang etwas extrem erscheint – lässt man sich als Leser gerne auf diese Atempause ein, die Wilk einem da gewährt. Sie hat somit auch die einzige Maßnahme ergriffen, die es dem Leser ermöglicht, sich voll und ganz auf die Gefühlswelt der Charaktere einzulassen und ihre Handlungen nachvollziehen zu können. Ein paar Kapitel lang liegt der Fokus des Romans auf der Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten. Auf diese Weise schafft sie die perfekte Basis für das, was noch folgt. 

A.D. Wilk hat mich nicht enttäuscht. Sie hat einen herzzerreißenden Liebesroman verfasst, der den Leser auf eine karibische Insel entführt und nicht mehr loslässt. Sie hat ihm Charaktere geschenkt, in die er sich hineinversetzen kann und die ihn berühren. Sie hat ihm Stoff zum Nachdenken geliefert und große Fragen angesprochen, die jeden von uns beschäftigen: Wie gehe ich mit dem Tod um? Wie lerne ich verzeihen? Wie lerne ich vertrauen? Ich konnte das Buch fast nicht aus der Hand legen: Es hat mich berührt, begeistert und bewegt und ich kann euch nur ans Herz legen, euch mit dieser spannenden Autorin auseinanderzusetzen. 

Lieblingssatz:

Vin roch nach sanften Wellen. Nach heißen Sonnenstrahlen. Nach frisch zerschnittenen Palmenblättern und nach den Spritzern, die ein tosender Wasserfall auf meinem Gesicht versprühte. Er roch nach Leben. Nach einem Leben, das nur ein paar Wochen gewährt hatte und doch noch immer in mir tobte. Mich vereinnahmte und nach dem ich mich sehnte. 

🏝 muss mit auf eine einsame Insel [enthält wichtige Überlebenstipps!] 

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Rezensierte Bücher im Überblick

🏝 Nur für diesen Moment – A.D. Wilk

🏝 Wenn du wieder gehst. Eine Liebesgeschichte. – A. D. Wilk

📚 Das Herz der Finsternis – Joseph Conrad

📚 Tyll – Daniel Kehlmann

🏝 Der Schatten – Melanie Raabe

📚 Good as Gone – Amy Gentry

📚 Die Geschichte der Bienen – Maja Lunde

🏝 tschick – Wolfgang Herrndorf

🏝 Was man von hier aus sehen kann – Mariana Leky

Wenn du wieder gehst. Eine Liebesgeschichte. – A.D. Wilk [REZENSION]

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[Rezensionsexemplar & Werbung wegen Verlinkung]

Als Neuling in der Buchbloggerszene habe ich mir schon manchmal den Kopf darüber zerbrochen, was auf mich zukommt, wenn ein Autor oder Verlag irgendwann auf die (skurrile) Idee käme, mir ein Buch zur Rezension zur Verfügung zu stellen. Vor allem die Frage „Was mache ich, wenn mir das Buch nicht gefällt?“ ist mir dabei durch den Kopf gegeistert. Jetzt ist es passiert: A.D. Wilk hat mir ihren Debütroman als Rezensionsexemplar geschickt und hat mich damit sehr glücklich gemacht (danke nochmal!). Aber nicht nur ihres Vertrauens wegen muss ich ihr danken, sondern auch, weil sie es mir so einfach macht. Die diversen Gründe dafür zähle ich euch im Folgenden liebend gerne auf. Ich setze euch aber jetzt zuerst den Klappentext hierhin, damit ihr ein bisschen wisst, worum es in ihrem Debütroman eigentlich geht:

„Hast du nie an mich gedacht?“ „Nein.“ „Nein?“ „Nein. Es hätte mich umgebracht.“ 

Fast vier Jahre ist es her, seit Lucy das letzte Mal den Sand zwischen den Zehen spürte und Tapas im Strandkorb auf der Terrasse des kleinen Spaniers aß. Nun kehrt sie zurück, um einem alten Freund einen Gefallen zu tun. Dabei ist Niklas nicht einmal mehr das, ein Freund. 

Aber warum reißt sein Anblick dann alte Wunden auf und wirft ihre Gefühlswelt aus der Bahn? Sie hatte geglaubt, all das hinter sich gelassen zu haben. Die Trauer, den Schmerz, die Hilflosigkeit. Und die Liebe. Doch je mehr Zeit sie in der fremden Vertrautheit verbringt, umso klarer wird ihr, dass sie sich etwas vorgemacht hat. Und dann ist da noch Ben…

Normalerweise bin ich kein Freund von typischen Liebesgeschichten. Das hat sich auch nach dieser Lektüre nicht geändert. Allerdings bin ich ein Freund von gut durchdachten Geschichten, von schön komponierten Charakteren und Figurenkonstellationen, von großen und ganz kleinen Emotionen, von schöner Sprache und von Kribbeln im Bauch. Die Geschichte von Lucy (Lu) und Niklas (Nik) ist voll von all diesen guten Eigenschaften. Dem Leser ist von vornherein ziemlich klar, wie das Ganze ausgehen wird. Doch darauf kommt es in diesem Roman gar nicht an, denn hier gilt die gute alte Weisheit: Der Weg ist das Ziel.

Wilk versteht sich darauf, große Emotionen in schöne Worte zu packen und macht es dem Leser somit leicht, sich auf die Geschichte einzulassen. Zwar ist das Hin- und Her von Zeit und Ort manchmal etwas verwirrend, aber wenn man die einzelnen Schauplätze zu einer großen Karte zusammengefügt hat, erscheint es plötzlich logisch, dass so erzählt werden muss. Lucy und Nik haben auf ihrem gemeinsamen, langen Weg viele Stationen durchlebt, was sie eng miteinander verbindet. Obwohl ihre tiefe Verbundenheit definitiv im Mittelpunkt der Liebesgeschichte steht, hat die Autorin ein Netz aus engen Relationen geknüpft. Lucy und ihr Vater, Lucy und ihr Zwillingsbruder Simon, Lucy und Nik, Lucy und Anna, Lucy und Sam, Lucy und Vicky, Lucy und Charlie, aber auch diese Charaktere untereinander: Sie alle verbinden tiefe Gefühle von Zuneigung, Vertrauen, Liebe. Wilk beschreibt, wie die Schicksale all dieser Menschen miteinander verwoben sind und wie unmöglich es ist, sich aus dieser Verbindung zu lösen. Keine dieser Beziehungen funktioniert ohne große Hingabe und viel Schmerz, aber auch das scheint die Menschen miteinander zu verbinden. Als Leser fühlt man sich manchmal wie ein Eindringling. Man hat in diesem intimen Gefüge nichts verloren und doch lässt man sich mitreißen. Die Emotionen die Wilk ihren Figuren zuschreibt, werden teilweise so stark, dass sie auf diese Weise den Leser selbst zu einer Figur in ihrem Buch macht. Ich saß auf dem Dorfplatz und habe Lucy zugehört, wie sie eine ergreifende Rede über Vicky und Sam gehalten hat. Ich habe mitgeweint, als alle anderen geweint haben. Die Autorin hat keine typische Liebesgeschichte geschrieben. Es geht nicht nur um die Liebe zwischen Lucy und Nik. Es geht auch um die Liebe zwischen Kindern, um die zwischen Eltern und ihren Kindern, um die zwischen Fremden, die das Schicksal auf seine eigene, unumgängliche Weise zusammengebracht hat. In dem Sinne hat Wilk viele Liebesgeschichten geschrieben, die sie zu einer großen, allumfassenden zusammengefügt hat.

An vielen Stellen im Buch habe ich mitgefiebert, ich habe mich hineinziehen lassen. Und genau das hat mich am Ende auch irritiert. Für mich war von Anfang an klar, dass Lu und Nik zusammengehören, dass es da keine andere Möglichkeit gibt, die mich zufrieden stellen würde. Aber genau diese Entschlossenheit hat dazu geführt, dass ich meine moralischen Grundsätze in Frage gestellt sah. Die Autorin spielt in ihrem Roman mit den moralischen Werten ihrer Leser und vertraut darauf, dass diese bereit sind, ihre Werte für die große Liebe über Bord zu werfen, da ihre Geschichte sonst nicht funktionieren würde. Bei mir hat es geklappt und ich habe tatsächlich ein wenig Zeit gebraucht um dies vor mir selber rechtfertigen zu können. Trotzdem würde ich das Buch jederzeit wieder mit den gleichen Hoffnungen und Wünschen lesen und ich würde mich immer wieder mit nichts anderem zufrieden geben als dem von Wilk vorgegebenem Ende.

Ich habe gelacht und geweint, ich hatte Kribbeln im Bauch und ein Lächeln im Gesicht, ich habe mich aufgeregt und ich habe mitgefiebert. Andrea Wilk versteht sich wunderbar darauf, den Leser einzubeziehen, schöne Sätze zu konstruieren und mit ihren Worten Bilder zu malen. Nach einem Tag intensiver Lektüre hatte ich das Buch ausgelesen und ich war untröstlich. Ich würde den Roman allen empfehlen, die einen entspannten Tag verbringen möchten. Die Geschichte ist ideal um bei einer Tasse Tee eingekuschelt im Lieblingssessel gelesen und genossen zu werden. Wilk schafft dem Leser einen Raum, in dem er alles vergessen, in dem er sich fallen lassen und einfach nur genießen kann.

Lieblingssatz:

„Und dann hatten sie der Sonne dabei zugesehen, wie sie im Meer zu versinken schien. Als sie klein war, hatte Lucy immer auf das Zischen gewartet, das doch zu hören sein musste wenn so ein großer Feuerball ins Wasser fiel. Charlotte hatte sich dann neben sie gekniet und gemeinsam hatten sie gewartet. Und manchmal da war es tatsächlich zu hören gewesen. Wenn der Wind gut stand. Wenn sie den Atem anhielten. Und wenn nicht gerade eine Möwe vorbeiflog und die Stille mit ihrem Lachen durchbrach.“ 

🏝 muss mit auf eine einsame Insel

Elektronisches Papier

Jeder Bibliophil sieht sich irgendwann vor die Entscheidung gestellt, ob er sich einen E-Reader zulegen soll oder nicht. An und für sich scheint schon die simple Überlegung ein Paradox zu sein. Wie kann denn jemand, der sich so für Bücher, für Schmuckausgaben, für schöne Cover, für papierne Kunstwerke begeistern kann, sich überhaupt die Frage stellen, ob er all das gegen ein elektronisches Plastikgerät tauschen möchte, das kalt und leblos in seiner Hand liegt und regelmäßig an die Steckdose muss?

Bücher haben mich mein Leben lang begleitet. Ich stelle gelesene Bücher in mein Bücherregal, genieße das Gefühl, mit der Hand über die Buchrücken zu streichen, mir ein Exemplar einfach auswählen zu können und dann darin querzulesen. Ich liebe das Gefühl, ein schweres Buch in der Hand zu halten, die Seiten zu riechen und umzublättern. Ich finde es schön, meinen Lesefortschritt zu sehen und auf einen Blick zu erkennen, wieviel mich noch erwartet. Ich ordne meine Bücher gerne den Autoren nach, ich räume mein Regal gerne um. Ich unterstreiche wichtige, schöne, ausdrucksstarke, beeindruckende Sätze und lasse mich auch schon mal zu einer Notiz am Rande hinreißen. Meistens kaufe ich gebrauchte Bücher und überlege mir, was die schon alles erlebt haben, wo sie waren, durch wieviele Hände sie schon gegangen sind. All das ist durch nichts zu ersetzen.

Aber vielleicht zu ergänzen? Denn irgendwann wird einfach das Bücherregal zu klein. Wenn ich meine zweite Reihe im Regal gefüllt habe, sehe ich mich vor ein logistisches Problem gestellt, dessen einzige Lösung ein E-Reader zu sein scheint. Er bietet mir soviel Platz, dass ich mir gar keine Gedanken machen muss, wo ich die ganzen Bücher hin räume. Zusätzlich dazu löst er ein noch größeres Problem: meine Urlaubsration. Wenn ich in den Urlaub fahre, auch mal Zeit für mich habe, einfach am Pool, am Strand oder auf der Terrasse liege, muss ich viele, viele Bücher mitnehmen um meinen Bedarf zu decken. Früher musste ich eine extra Büchertasche packen, heute reise ich mit deutlich weniger Gepäck, weil mein E-Reader mich in den Urlaub begleitet und ich den so voll packen kann, wie ich will. Auch Zugfahrten macht er mir deutlich angenehmer. Eine sehr beliebte schottische Thrillerautorin schreibt sehr umfangreiche Bücher, die ich nie irgendwo mit hinnehmen konnte, weil sonst nichts mehr in meinen Rucksack gepasst hätte. Mein E-Reader passt immer noch überall mit rein, sei’s der Rucksack, die Handtasche, der Reisekoffer, überall krieg ich ihn noch unter und das versüßt mir dann die Zugreise oder die Bahnfahrt.

Klar vermisse ich den Geruch und das Gefühl von Papier. Auch die Tatsache, dass ich regelmäßig daran denken muss, mein Buch aufzuladen, irritiert mich immer noch ein bisschen. Nichtsdestotrotz möchte ich mein elektronisches Bücherregal nicht mehr missen. Ich werde nie aufhören, gedruckte Bücher zu kaufen, aber manchmal bleibt mir dann doch auch noch die Möglichkeit, ein elektronisches Buch zu kaufen.

Wie macht ihr das? Besitzt ihr einen E-Reader oder haltet ihr an gedruckten Büchern fest?

Eure Lulu

Von der Lektüreflut überrollt

Da stellt sich mir doch glatt die Frage: Was habe ich mir dabei bloß gedacht?!

Ich starte am Montag in meinen Master. Viel lesen liegt in der Natur meines Studienganges. Trotzdem habe ich aus irgendeinem Grund nicht damit gerechnet, dass mich die Lektüreflut so früh schon überrollen würde. Also, bevor die Seminare überhaupt angefangen haben. Die Schwerpunkte meiner Germanistikseminare liegen dieses Semester auf Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften und auf diversen Schiller-Werken. Dass ich mir mit Der Mann ohne Eigenschaften viel vorgenommen habe, weiß ich selber, aber ich dachte, das Buch gibt sicher genug her um eine dreißigseitige Hausarbeit dazu zu verfassen. Über das angebotene Schillerseminar habe ich mich sehr gefreut. Während meines gesamten Bachelorstudiums habe ich mich weder mit Goethe noch mit Schiller stark auseinandergesetzt, weshalb ich jetzt die Gelegenheit beim Schopfe packen und mich wenigstens einem der beiden widmen wollte. Allerdings hatte ich wohl überlesen, dass in der ersten Sitzung die Kenntnis folgender Texte überprüft wird: Die RäuberDon KarlosDie Jungfrau von Orleans. So. Da sitz ich nun, ich armer Tor und weiß nicht, wo ich anfangen soll. Die Bücher hab ich mir gemedimopst, alles liegt bereit. Motiviert bin ich, überfordert auch, einer entspannten Lektüre steht also nichts im Wege. Sobald ich den Entschluss gefasst habe, mich mit Tee und einem der Bücher an den Schreibtisch zu setzen (denn da muss ich Bücher für die Uni inhalieren, um nebenher Notizen machen zu können), denke ich an LuluLiest und werde etwas sehnsüchtig. Ich schaue zu meinem Nachtschränkchen, das vollgestopft ist mit Büchern, die ich mir zum Vergnügen gekauft habe, die ich für euch lesen und rezensieren wollte, und frage mich: Ob meine treue Leserschaft sich wohl mit Schiller und Musil beschäftigen möchte?

Lange habe ich Ideen gewälzt und bin jetzt zu dem Schluss gekommen, dass Rezensionen für mich ein gutes Mittel sind, die gelesenen Werke noch einmal Revue passieren zu lassen, in mich zu gehen, mir zu überlegen, wie ich dazu stehe, welches Thema, welche Elemente mich am meisten bewegt und begeistert, was mich am stärksten gestört und abgeschreckt hat. Demnach werde ich mich jetzt erstmal in Ruhe meiner Unilektüre widmen. Wenn ich Zeit dazu habe, schreibe ich eine Rezension (um in meinem neuen 2-Wochen-Rhythmus zu bleiben), wenn nicht, nehme ich euch mit auf einen Gedankenspaziergang. Vielleicht sogar zu einem interessanteren als dem heutigen.

Ich finde es schwierig und zum Teil sogar überfordernd, wenn ich einen großen Stapel Bücher in der Wohnung liegen habe, die mich alle anschreien und zum Lesen auffordern. Dieses Phänomen begleitet mich seit vier Jahren durch mein Studium und wird mich wohl auch noch einige weitere Jahre nicht loslassen. Langsam muss ich mich daran gewöhnen, mich zwingen, eins nach dem anderen anzugehen, damit kein Buch liegen bleibt und ich vorankomme. Es sind ja nicht nur die Bücher, auch für meinen zweiten Studiengang muss ich mich mit Fachliteratur auseinander setzen. Für Lesestoff ist in geisteswissenschaftlichen Studienfächern immer genug gesorgt. Wenn ich mir andere Blogs anschaue, teilweise sehr schöne Blogs, die von Schülern/Studenten gestaltet werden, dann frage ich mich immer, wie die das hinbekommen. Also: Wie kriegt ihr das denn hin?

Ich freue mich über jede Anregung, jeden Tipp, alles, was mir dabei behilflich sein könnte, mich besser einzuteilen, kein Buch, mein Privatleben, meinen Blog, meine Uni, zu kurz kommen zu lassen. Lasst mir einen Kommentar da, schreibt eine Mail, schickt einen Brief (ich liebe Briefe!) ruft per Dosentelefon an – egal, ich bin gespannt!

Eure Lulu